Archiv der Kategorie: Schule und „Digitales Lernen“

Schule digital – „Auf die Lehrperson kommt es an“

Ehrenrettung der Tafelkreide

FAZ, 01. 06. 2017, Bildungswelten, Heike Schmoll
Warum Schüler nicht mehr oder besser lernen, nur weil in ihren Klassenräumen mit Computern gearbeitet wird – und es stattdessen auf die Lehrer ankommt.

[Am 10.05.2017] veröffentlichte der „Aktionsrat Bildung“ der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) sein Gutachten „Bildung 2030 – Veränderte Welt. Fragen an die Bildungspolitik“ mit der Kernbotschaft, die Schulen müssten digitaler werden, weil am Nutzen der Digitaltechnik kein Zweifel bestehe.

So war in der ersten Fassung des Gutachtens, das auch in den Medien verbreitet wurde, zu lesen, dass „Grundschüler in Deutschland, in deren Unterricht mindestens einmal wöchentlich Computer eingesetzt wurden, in den Domänen Mathematik und Naturwissenschaften statistisch signifikant höhere Kompetenzen aufweisen als jene Grundschulkinder, die seltener als einmal pro Woche Computer im Unterricht nutzen“. Der Deutsche Lehrerverband machte bereits am 22.05.2017 über die Falschmeldung aufmerksam.

In der vom „Aktionsrat Bildung“ nach der medialen Verbreitung korrigierten Fassung des Gutachtens ist unter der Überschrift Digitale Kompetenzen in der Primar- und Sekundarstufe, zu lesen:

Sekundäranalysen auf der Grundlage von Daten der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) 2011 und der aufgezeigten Entwicklungen in der „Trends in International Mathematics and Science Study“ (TIMSS) 2011 boten einen Einblick in die schulische Medienbildung in Deutschland im Bereich der Primarstufe (vgl. Eickelmann u. a. 2014a). Dabei zeigte sich im Hinblick auf kompetenzförderliche Effekte des Medieneinsatzes, dass Grundschülerinnen und Grundschüler in Deutschland, in deren Unterricht mindestens einmal wöchentlich Computer eingesetzt wurden, in den Domänen Mathematik und Naturwissenschaften statistisch signifikant niedrigere Kompetenzen aufwiesen als jene Grundschulkinder, die seltener als einmal pro Woche Computer im Unterricht nutzten (vgl. Kahnert/Endberg 2014). [aus:  Bildung 2030 – veränderte Welt. Fragen an die Bildungspolitik, S. 78]

Die FAZ führt weiter aus, dass die korrigierte Version dem Stand der bisher erhobenen Studien entspricht und weist dabei auch auf die Telekom-Studie „Schule digital. Der Länderindikator 2015“ hin.

Für die Telekom-Studie hat zur aktuellen Situation der digitalen Bildung in Deutschland ein Wissenschaftsteam unter der Leitung von Professor Wilfried Bos (Techni­sche Universität Dortmund) 1.250 Lehrkräfte weiterführen­der Schulen repräsentativ befragt. Diese Befragung schließt an die internationale Schulleistungsstudie ICILS (Internatio­nal Computer and Information Literacy Study) 2013 an. Die Ergebnisse sollen konkrete Ansatzpunkte liefern für Initiativen und Strategien, um den Einsatz digitaler Medien im Schulalltag zu verankern.

In einem Interview zur Studie wurde an Prof. Bos die Frage gestellt: Wie passen die Ergebnisse des Länderindikators zu den Ergebnissen der PISA-Sonderauswertung, die im Herbst 2015 von der OECD veröffentlicht wurde?

Wilfried Bos: Die PISA-Sonderauswertung über „Students, Computers and Learning“ bestätigt, was sich schon in anderen Studien gezeigt hat: Die Ausstattungssituation an Schulen in Deutschland ist mäßig bis schlecht. Und das haben die Ergebnisse unserer Studie erneut belegt. Es hat sich wenig getan. Die Sonderauswertung hat auch gezeigt, dass Staaten, die in den letzten Jahren verstärkt in die Aus­stattung der Schulen investiert haben, in den vergange­nen zehn Jahren keine nennenswerten Verbesserungen der Schülerleistungen in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik oder Naturwissenschaften erzielen konnten. Die verstärkte Nutzung digitaler Medien führt offensicht­lich nicht per se zu besseren Schülerleistungen. Vielmehr kommt es auf die Lehrperson an. [Telekom-Studie „Schule digital. Der Länderindikator 2015“, S. 8]

Welche konkreten Schlüsse werden jedoch aus den Ergebnissen für den Einsatz digitaler Medien im Schulalltag gezogen? Welche berechtigten Kritiken gibt es zur „digitalen Schule“?

Die FAZ berichtet weiter: Prof. Lankau, der an der Hochschule Offenburg an der Fakultät Medien und Informationswesen lehrt, kritisiert, dass weder multimedial gestaltete Lehr-Lern-Umgebungen noch zusätzliche finanzielle Mittel für den Aufbau einer „nachhaltigen Infrastruktur“ vom Kindeswohl oder von den Bildungsprozessen her gedacht wird.

Wer sich durch die „digitale Schule“ oder die „Schul-Cloud“ eine „Demokratisierung des Lernens“, eine Förderung der Bildungsschwachen, individualisiertes Lernen und all das erhofft, was das bisherige Schulsystem nicht leisten konnte, wird unweigerlich enttäuscht werden. Der Unterricht kann nur so gut sein, wie der Lehrer ihn konzipiert und wie klug er sich der informationstechnologischen Hilfsmittel bedient.

Wolfgang Schimpf, Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums in Göttingen: Neue Medien sind nicht per se bereits ein Fortschritt. Sie sind zunächst nur Lern-„Mittel“, deren meist teurer Einsatz dann gerechtfertigt ist, wenn sie Unterrichtsziele effizienter erreichen lassen oder ganz neue Lern- und Erkenntnismöglichkeiten eröffnen. […] Allein die Lernaffinität medialer Angebote muss Prüfstein ihrer Einführung sein.

Er führt weiter aus: Eines ist nämlich klar: Es ist den Ingenieuren und Animateuren der digitalen Welt nicht darum zu tun, den Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu verschaffen, was doch eine Aufgabe staatlicher Administration in unserer Demokratie sein müsste. Im Gegenteil. Der Mensch interessiert nur als Verbraucher, als User – schlimmer noch: Er wird immer mehr algorithmisch erfasst und am Ende auf eine Ansammlung von Informationen reduziert. [ FAZ, 01. 06. 2017, Wolfgang Schimpf, Im Wolkenkuckucksheim]

Die dpa hat am 24.5.2017 die Falschmeldung korrigiert:

Dieser Schluss [dass „Grundschüler in Deutschland, in deren Unterricht mindestens einmal wöchentlich Computer eingesetzt wurden, in den Domänen Mathematik und Naturwissenschaften statistisch signifikant höhere Kompetenzen aufweisen als jene Grundschulkinder, die seltener als einmal pro Woche Computer im Unterricht nutzen“] hat sich inzwischen als Fehler der Auswertung erwiesen – tatsächlich zeigen diese Schüler niedrigere Kompetenzen, wie eine Sprecherin der Verantwortlichen sagte. Das ändere aber nichts an den Herausforderungen für die Bildungswelt, die das Gutachten beschreibe. [!]

Anmerkung dazu von Prof. Lankau: Das heißt auf gut deutsch: Was immer Studien ergeben, die Digitalisierung von Schule und Unterricht bleibt das Ziel der Wirtschaftsverbände und der ihnen zuarbeitenden Wissenschaftler.

Hervorhebungen im Fettdruck durch Schulforum-Berlin

siehe auch:  Deutscher Lehrerverband, „Computer in der Grundschule bringt nichts!“, „Gegenteilige dpa-Meldung ist falsch.“

siehe auch:  Gesellschaft für Bildung und Wissen, „Falsch zitiert und falsch gemeldet“

zu den Studien:  Bildung 2030 – veränderte Welt. Fragen an die Bildungspolitik, vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (Hrsg.);
Telekom-Studie „Schule digital. Der Länderindikator 2015“

„Das muss man sich mal vorstellen: Unsere Kultusbürokratie gibt Geld aus, damit die Schüler schlechter lernen – so etwas ist einfach unfassbar.“

„DER CHIRURG GOOGELT NICHT“

FOCUS-MONEY-Redakteur Thomas Wolf interviewt Professor Manfred Spitzer

Psychiatrie-Professor Manfred Spitzer warnt davor, dass digitale Medien der Gehirnentwicklung junger Menschen schaden – mit fatalen Folgen für sie, die Gesellschaft und die Wirtschaft.

FOCUS-MONEY: Sie beklagen eine „digitale Demenz“. Nun beschert uns das Internet aber doch eine unglaubliche Menge von Wissen und Information. Wie passt das zusammen: Demenz und Wissenserweiterung?

Manfred Spitzer: Da muss ich etwas ausholen. Wissen ist etwas, das in den Köpfen stattfindet, die Digitalisierung verschafft uns dagegen Zugang zu Informationen. Mit denen können wir aber nur etwas anfangen, wenn wir schon etwas wissen. Wenn man nichts weiß, hat man auch keine Fragen und versteht auch nicht, was los ist. Es ist also unser Geist, der mit den Informationen in Berührung kommt, die uns die digitalen Medien zur Verfügung stellen. Wenn wir sie uns aneignen und in Wissen umsetzen, dann profitieren wir davon. Das wäre der normale Ablauf, der eigentlich ganz gut funktionieren würde. Der Haken dabei ist aber: Digitale Medien nehmen uns geistige Arbeit ab – und die ist nun mal die Voraussetzung dafür, dass Gehirne sich entwickeln und wir etwas lernen. Für Erwachsene ist die Entwicklung des Gehirns im Großen und Ganzen schon gelaufen, und digitale Medien sind insofern für sie auch kein Problem. Wenn aber digitale Medien auf Gehirne treffen, die sich noch entwickeln, dann sorgen sie für eine Störung der Entwicklung.

MONEY: Aber funktioniert unser Hirn denn nicht so ähnlich wie ein Computer?

Spitzer: Ganz und gar nicht. Im Prinzip ist es so: Unser Gehirn wird ab der Geburt immer besser, es lernt und lernt. Ein Computer kann so viel gespeichert haben, wie er will, er wird deshalb nicht „besser“, denn er rechnet mit seiner CPU (Central Processing Unit) und speichert auf der Festplatte. Beim Gehirn läuft das anders: Ein Hirn hat weder Festplatte noch CPU, sondern Nervenzellen, die verarbeiten Informationen, und dadurch verändern sich die Verbindungen zwischen ihnen, und das ist gleichzeitig auch der Speicher. Das Hirn verändert sich also – je mehr Informationen es verarbeitet, desto besser wird es auch.

MONEY: Geben Sie uns doch mal ein Beispiel.

Spitzer: Nehmen wir das Sprachzentrum. Je mehr Sprachen jemand verarbeitet, desto besser wird das Sprachzentrum. Das beginnt mit der Muttersprache, und wenn das Kind dann eine weitere Sprache lernt, fällt es ihm umso leichter, auch noch eine dritte und vierte zu lernen. Die Sprache ist nämlich nicht irgendwo unabhängig von der Sprachverarbeitung gespeichert, sondern die Sprachzentren sind der Speicher und das, was spricht. Sie haben sicher noch nie jemanden sagen hören: Ich kann fünf Sprachen, meine Sprachzentren sind langsam voll. Das Gegenteil ist richtig: Je mehr Sprachen jemand beherrscht, desto schneller lernt er die nächste. Es wäre daher auch dummes Zeug zu sagen: Ich lerne in meiner Kindheit kein Englisch, weil ich später Chinesisch lernen will und dafür in meinem Sprachzentrum noch Platz brauche. Ich betone das deshalb so stark, weil wir heute immer wieder hören, die Digital Natives würden viel auslagern und hätten deshalb Kapazitäten für andere Inhalte. Das stimmt eben überhaupt nicht. Wenn man Wissen auslagert, hat man schlicht und einfach etwas nicht gelernt – und was ich nicht weiß, kann ich auch nicht zur Aneignung von noch mehr Wissen verwenden. Nicht Englisch zu können macht Sie eben nicht zu einem besseren Chinesisch-Lerner, sondern zu einem schlechteren.

MONEY: Trifft das denn auf alle Inhalte zu?

Spitzer: Dieser Mechanismus trifft nicht nur auf Sprache, sondern auf alle Fähigkeiten zu. Wenn Sie ein Mathematikbuch gelesen haben, werden Sie das nächste besser verstehen; genauso ist es mit dem Gebrauch von Werkzeugen oder einem Musikinstrument. Völlig egal, worum es geht: Je mehr Sie wissen, desto mehr Wissen können Sie sich aneignen. Wenn eine Festplatte halb voll ist, passt nur noch eine weitere Hälfte rein. Beim Gehirn ist es dagegen so, dass wir einen paradoxen Speicher im Kopf haben: Je voller der ist, desto mehr passt rein. Gehirne machen keinen Download, sondern wenn wir uns etwas Neues aneignen, dann verknüpfen wir es mit dem bereits Vorhandenen – und je mehr wir schon haben, desto besser wird es. Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir unser Gehirn in jungen Jahren – wenn es noch in der Lage ist, schnell zu lernen – auftrainieren. Dann kann es viel und lernt auch später weiter, auch wenn es dann nur noch langsamer geht. Entscheidend ist, dass das lebenslang funktioniert, wenn man schon viel gelernt hat. Die Entwicklung durch Interaktion zwischen Gehirn und Umwelt führt nach oben, und irgendwann funktioniert ein Gehirn gut.

MONEY: Und wenn es nicht mehr so gut funktioniert – was passiert dann?

Spitzer: Auch wenn die Entwicklung wieder bergab und das Gehirn „kaputt-„geht, gibt es einen entscheidenden Unterschied. Computer stürzen ab oder hängen sich auf, bei Gehirnen dagegen kommt es zur „Graceful Degradation“, wie die Neurowissenschaftler sagen, also zu einer Art „Abstieg in Würde“. Bei Parkinson ist es zum Beispiel so, dass bereits 70 Prozent der Hirnzellen kaputt sind, ehe der Betroffene zu merken beginnt, dass mit ihm etwas nicht in Ordnung ist. Es gibt also eine hohe Reserve; wer ein gut entwickeltes Gehirn hat, ist in der Entwicklung relativ weit oben angelangt. Nun ist Demenz nichts anderes als ein geistiger Abstieg. Und für jeden Abstieg gilt: Je höher der Ausgangspunkt liegt, desto länger dauert es, bis man unten ankommt. Wer vom Matterhorn absteigt, kann lange absteigen und ist immer noch relativ weit oben. Wer von der Sanddüne zum Meer läuft, ist dagegen ziemlich schnell unten. Das wird oft vergessen, wenn von Demenz die Rede ist.

MONEY: Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Spitzer: Oft publiziert wird das Beispiel der Ordensschwester Maria, die bis zum Alter von 84 als Lehrerin gearbeitet hatte und mit 101 starb. Sie hatte an einer über Jahrzehnte laufenden Versuchsreihe teilgenommen, bei der jedes Jahr die Hirnleistung der Probanden getestet wurde. Auch kurz vor ihrem Tod war Schwester Maria noch getestet worden und hatte Spitzenergebnisse erzielt, ihre Hirnleistung war also völlig in Ordnung. Als nach ihrem Tod ihr Gehirn untersucht wurde, stellte sich heraus: Es war bereits ziemlich geschädigt durch eine bestehende Alzheimer-Krankheit.

MONEY: Und wenn sie in ihrer Jugend mit digitalen Medien aufgewachsen wäre, wäre das nicht möglich gewesen?

Spitzer: Wenn ich von digitaler Demenz spreche, meine ich das ganz wörtlich. Wenn digitale Medien dafür sorgen, dass unsere Gehirnentwicklung Schaden nimmt – und wir wissen, dass sie das tun -, dann kommen junge Menschen in ihrer Hirnleistung eben nicht mehr so weit nach oben, sind geistig nicht mehr so fit, können sich nicht mehr konzentrieren, sind nicht mehr so belastbar. Wenn es bei denen dann ein paar Jahrzehnte später bergab geht, dann sind die gleich „verloren“. Das werden wir erleben, und das wird uns zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge jährlich kosten. Auch wenn wir das nicht gern zur Kenntnis nehmen, wird es genau so kommen.

MONEY: Sie sprechen viel vom Lernen. Was passiert dabei eigentlich? Was ist Lernen?

Spitzer: Lernen ist eine grundlegende Fähigkeit des Gehirns, die darin besteht, dass es sich ändert, sobald es Informationen verarbeitet. Das passiert mikroanatomisch durch Veränderung der Nervenzellen. Zwischen ihnen entstehen Verbindungen, die sogenannten Synapsen, die zur Informationsverarbeitung dienen. Und wenn diese Verbindungen benutzt werden, werden sie auch verstärkt. Nutzen wir sie nicht, werden sie geschwächt und am Ende ganz weggeräumt. Dieses Aufbauen und Verschwinden ist in jungen Jahren besonders stark; da schießen solche Verbindungen förmlich ins Kraut, so wie im Frühjahr die Knospen treiben und alles wächst. In älteren Jahren wird das, was man nicht mehr braucht, weggeräumt. In manchen Gehirnbereichen ist die maximale Zahl der Verbindungen im Alter von acht Monaten erreicht, in anderen mit acht Jahren – später wird es dann wieder weniger. Das Wegräumen der Verbindungen ist Teil des Reifungsprozesses und ganz natürlich: Was wirklich nötig ist, bleibt, und was wir nicht brauchen, verschwindet. Problematisch wird es allerdings dann, wenn zu viele Verbindungen weggeräumt werden oder gar nicht richtig entstanden sind. Dann gibt es irgendwann eben auch keine Chance mehr, daran noch etwas zu ändern.

MONEY: Was bedeutet das dann in der Praxis?

Spitzer: Ein gutes Beispiel sind Kinder, die auf Grund einer Sehschwäche Weiterlesen

„Digitaloffensive für Schulen ist eine „Scheinlösung“

Weitere Beiträge zum „Digitalen Lernen“

(…) Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung fordert: „Inhalte statt Geräten“. Tablets und soziale Netzwerke verwenden zu können, heißt noch lange nicht, den digitalen Wandel zu meistern. Vollständig digital kompetent sei nur, wer die theoretischen Grundlagen verstehe. Um diese zu vermitteln, sollten digitale Medien aber „nur ergänzend eingesetzt werden“: „Nach Erfahrung der überwältigenden Mehrheit der Mathematikerinnen und Mathematiker weltweit sind Tafel, Papier und das direkte Unterrichtsgespräch meist viel besser geeignet.“ Priorität müsse bleiben, das analytische Denken gezielt zu lehren. Die Mathematiker halten daher die von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) vorgeschlagenen Digitaloffensive für Schulen für eine „Scheinlösung“ (…)

Aus:  TSP, 16.11.2016, Tilmann Warnecke, „Digitales Lernen lernen“


(…) Massive Verlierer der neuen Bildungskatastrophe werden diejenigen sein, die in Spracharmut und mit gleichzeitiger Reizinflation aufwachsen – zwischen flimmernden Playstations, Fernsehern, Smartphones. Und das sind Millionen.

Gerade ihnen muss Schule bieten, was immer essentieller wird: die Kenntnis der enormen Privilegien des Analogen trotz digitalisiertem Alltag. Vermitteln kann das nur der analoge Mensch, der präsente, gut ausgebildete und motivierte, der auch individuell mit Schülern arbeitet. Jemand der sie sieht.

Das kostet mehr, als sämtliche Schulen mit Computern zu pflastern, einige Milliarden mehr. Besser würde jedoch in der Bildungsrepublik nirgends investiert.

Aus:  TSP, 22.09.2016, Caroline Fetscher, „Lesen, denken, reden, kochen“


(…) Zu den Auswirkungen von Smartphones auf Schüler und ihre Leistungen gibt es inzwischen viele Studien, die laut dem Hirnforscher Manfred Spitzer nach unterschiedlichen Methoden immer zum selben Ergebnis kommen: Schüler, die keine Smartphones in die Schule mitbringen dürfen, lernen besser und fühlen sich wohler. Und dann stellt man ihnen Laptops vor die Nase? Das ist ja fast schon Sabotage.

Das gute Geld, das die Bildungsministerin versprochen hat, wäre mit Sicherheit besser angelegt in Lehrerschulungen, denn bei guten Lehrern lernt man gut (…).

Aus:  TSP, 20.10.2016, Ariane Bremer, „Rettet die bildschirmfreien Klassenzimmer!“