Ich habe einen Entschluss gefasst – Wie ich ein guter Schüler wurde

Vom schlechten Schüler zum 1,0-Abi

Pauken, lesen, melden: Eine knallharte Anleitung zum Schulerfolg. Geschrieben von einem, der erst in der Oberstufe beschlossen hat, sich anzustrengen.
16.02.2016, Christine Brinck

Schüler träumen vom Nürnberger Trichter. Manche legen immer noch das Buch unters Kopfkissen, weil das Wissen vielleicht doch osmotisch durch die Federn ins Gehirn dringt. (…) Lernen für die Klassenarbeit oder die Klausur, der direkte Weg vom Lesen der Texte zum Begreifen des Stoffs gilt dagegen als mühsam. (…)

Irgendwann vor Beginn der Oberstufe ging dem Schüler, der eher mit Dreien, Vieren und Fünfen unterwegs war, der seinen Lehrern auf die Nerven ging, einmal sogar schon vor dem Rauswurf stand, ein Licht auf. Ihm wurde klar, dass er unter seinen Möglichkeiten blieb. Er war keiner von den Jungs, die ein besonderes Talent hatten und sonst Durchschnitt waren. Er war einfach insgesamt ein uninspirierter, fauler Schüler, der auch gern mal schwänzte. Und dann beschloss er, ein gutes Abitur zu machen.

Als er sich in den Sommerferien vor der Oberstufe an den Schreibtisch setzte, schwor er sich, „alles zu tun, um mein Ziel zu erreichen … Ich war bereit, meine komplette Freizeit aufzugeben, falls mein Ziel dies verlangte. Hätte ich jeden Nachmittag sechs Stunden lernen müssen, hätte ich es ohne mit der Wimper zu zucken getan.“ Radikal? Er hielt durch.
Während die anderen sich im Schwimmbad tummelten, füllte er seine Wissenslücken auf, die sich in den früheren Jahren aufgetan hatten. Die ersten Monate des Semesters waren noch kein Zuckerschlecken, immer wieder musste er Grundlagenstoff nachlernen, um die angepeilten Punkte schaffen zu können. So saß er schon drei, vier Stunden jeden Nachmittag in seinem Zimmer und lernte. Kein Trichter, kein Schleichweg, keine Abkürzung, einfach nur pauken. Warum gab er nicht auf? Was war sein Geheimnis?

„Dass ich die Schule zu meiner obersten Priorität machte und alles andere hintanstellte.“ (…)

In einem freilich unterscheidet sich der zielstrebige Junge von den meisten Quartalsarbeitern: „Ich wusste aber die ganze Zeit über, dass ich auf der Stelle mit all den netten Freizeitaktivitäten aufhören würde, sobald meine Leistungen in der Schule nachließen.“ Der einst schlechte Schüler entwickelte eine „I will do it at any cost“-Mentalität, um auch für Rückschläge gewappnet zu sein und ständige Kurskorrekturen vornehmen zu können, wenn das Ziel, die besagte 1,0, aus dem Visier zu geraten drohte. (…)

Die größte Gefahr und Zeitverschwendung sieht Weinstock in Planlosigkeit bei der Recherche im Internet. (…)

Weinstock ist sich auch nicht zu schade, seinen Lesern, die ja eben noch seine Schulkollegen waren, Ratschläge zu erteilen, die schon Muttern und die Grundschullehrerin dem Klein-Chaoten gepredigt haben: Arbeitsplatz aufräumen, Schulmappe richtig und insbesondere vollständig packen, Hausaufgaben als Segen betrachten und vor allem melden! Melden! Melden! „Du wirst merken“, schreibt Weinstock, „dass es Spaß macht, sich am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen. Es ist auf jeden Fall deutlich unterhaltsamer, als unbeteiligt im Stuhl zu hängen und auf den Sekundenzeiger der Armbanduhr zu starren!“ (…)

Weinstock, eben noch Schüler, jetzt Student, ist kein Pädagoge, er hat sich seine Theorien, wie man von Durchschnitt auf Überdurchschnitt kommt, selbst zusammengebastelt. Fortan können Oberstufenschüler von seiner Erfahrung profitieren. Nicht alle Nachahmer werden durchhalten, aber manche werden wohl mit Gewinn seine Anleitungen für ein besseres Abiturergebnis nutzen. (…)

zum Artikel:  Der Tagesspiegel, Wissen und Forschen, 16.02.2016, Christine Brinck, Vom schlechten Schüler zum 1,0-Abi


Ergänzung zu obigem Artikel:

Danksagung (S. 170, 171): (…) Als Allererstes möchte ich mich deshalb bei meiner Familie bedanken. Ihr seid die wichtigsten Menschen in meinem Leben und ohne euch wäre ich nichts. Mama, Papa, Schwester Estelle, Großmutter Renate, Großmutter Aldona und alle weiteren Familienmitglieder – einer für alle und alle für einen!
Besonders herzlich möchte ich mich auch bei meinen Lehrern und bei meiner Schulleitung bedanken, dass sie mich damals nicht aufgegeben haben, sondern mir eine zweite Chance gaben und mich aktiv und selbstlos gefördert haben. Dafür werde ich euch für immer dankbar sein. Wir sind eindeutig die allerbeste Schule, weil wir die allerbesten Lehrer haben! Ich möchte mich auch für all das Wissen bedanken, das ihr mir vermittelt habt, und für die humanistischen Werte, die ihr mir an dieser interreligiösen Schule täglich vorgelebt habt. (…) Danken möchte ich auch Herrn Döring, meinem langjährigen Nachhilfelehrer, dessen geniale Erklärungen mir immer sehr weiterhalfen. (…)
Meinen Cousin Leo möchte ich hiermit offiziell herausfordern, meinen Schnitt zu schlagen. Viel Glück, Leo! (…)  Greif an!

David Weinstock: Schluss mit Ungenügend! Wie ich vom schlechten Schüler zum 1,0 Abiturienten wurde – und wie du das auch schaffst.  (siehe Bücherliste)


siehe auch: „Schluss mit ungenügend!“
Vom Nichtsblicker zum Einser-Schüler

Interview mit David Weinstock im Fritz-Radio,  11 Minuten


Bei John Hattie, Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen, überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von Visible Learning for Teachers, von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer, 2014, S. 78-79, ist nachzulesen:

Wenn man uns bittet, die Namen derjenigen Lehrpersonen zu nennen, die deutlich positive Effekte auf uns hatten, beträgt die Zahl normalerweise zwei bis drei, und die angegebenen Gründe beginnen meist mit Kommentaren über die Fürsorge der Lehrperson oder dass sie „an mich geglaubt haben“. Der Hauptgrund ist der, dass diese Lehrpersonen sich darum gesorgt haben, dass man ihr Fach beherrscht und ihre Leidenschaft teilt – und sie zielten stets darauf, einen mit ihrer Leidenschaft „anzustecken“. Schülerinnen und Schüler merken, wenn Lehrpersonen Fürsorge zeigen, engagiert genug sind und über ausreichend Fähigkeiten verfügen, einen dazu zu bringen, die Herausforderungen und die Freude an ihrem Fach (ob das Sport ist, Musik, Geschichte, Mathematik oder Technik) zu genießen.