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Berliner Niveaulimbo – die Statistik stimmt!

Datum:   11.05.2014
Die Berliner Schüler werden von gleichgültigen und skrupellosen Politikern und Bürokraten nicht aufs Leben vorbereitet. Alles was auf sie wartet, ist eine Katastrophe.
Harald Martenstein

Um das Problem  der hohen Durchfallquoten bei den Abschlussprüfungen zu lösen, hat die Berliner Schulverwaltung durch einige Verwaltungsmaßnahmen das Durchfallen nahezu unmöglich gemacht. Beim mittleren  Schulabschluss (MSA) konnte eine „5“ in Mathematik zum Beispiel mit einer „3“ in Deutsch ausgleichen werden. Vor der Nivelierung war eine „2“ notwendig.
(…) Um zu erreichen, dass wirklich jeder Schüler im Fach Deutsch eine „3“ erreichen kann, wurde der schriftliche Anteil der Prüfung, also Diktate, Aufsätze und dergleichen, auf nahezu null zurückgefahren. Es genügt offenbar, einige Worte sprechen zu können.(…)
Schüler, die nicht lernen mussten, sich anzustrengen. Schüler, die fast nichts wissen. Schüler, denen niemand die Chance gegeben hat, an Misserfolgen zu wachsen. Schüler, die nach vielen vergeudeten Jahren ein Zeugnis in der Hand halten, das wertlos ist. Kein Unternehmen wird das Zeugnis ernst nehmen. Wer eine Stelle will, muss erst mal eine Prüfung absolvieren, diesmal eine echte, keine Berliner Pseudoprüfung. Das hat der Schüler aber nicht gelernt. (…) Hinter der Schulreform steckt nicht Menschenfreundlichkeit. Es stecken Gleichgültigkeit und Skrupellosigkeit dahinter. Hauptsache, unsere Statistik stimmt, 98 Prozent erfolgreiche Prüfungen.

zum Artikel:  Der Tagesspiegel, 11.05.2014, Harald Martenstein, Berliner Niveaulimbo

Verordneter Schulerfolg

Datum: 9.05.2014
Wenn Erfolg verordnet wird, scheitern die Schüler eben später

Den Berliner Lehrern ist nichts fremd, wenn es um die Untiefen des Schülerniveaus geht. Aber sie müssen diese Klientel begleiten und zu Abschlüssen führen. Irgendwie. (…)
Da werden die Zugangsvoraussetzungen heruntergesetzt, da jagt eine Nachprüfung die andere, um bloß keinen Schüler ohne ein Zertifikat ins Leben zu entlassen. Das ist ebenso rührend wie armselig. Rührend, weil keiner auf der Strecke bleiben soll. Armselig, weil mit Potemkinschen Dörfern, die falsche Erwartungen wecken, niemandem gedient ist: weder den Schülern noch den Arbeitgebern, die spätestens bei ihren hauseigenen Aufnahmetests feststellen, dass nichts dahintersteckt. (…)
Der Senat ist offenbar krampfhaft bemüht, die neu gestartete Sekundarschule via Abschlussquoten zum Erfolgsmodell puschen zu wollen. Wenn weniger Zehntklässler durchfallen als zuzeiten der Hauptschule, ist der Beweis erbracht, dass die Reform gut war.(…)
Es gibt keinen Abschluss für alle. Es sei denn, man baute weiterhin Potemkinsche Dörfer.

zum Artikel:  Der Tagesspiegel, 09.05.2014, Susanne Vieth-Entus, Wenn Erfolg verordnet wird, scheitern die Schüler eben später